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Leben

10. Januar 2012

Das eine Spiel des Todes

Wenn man mich fragt, gestehe ich, dass ich keine Ahnung habe. Geschweige denn eine Vorstellung. In meinen kühnsten Träumen kann ich mir nicht vorstellen was es bedeutet und dennoch ist da dieser Hass, der abgrundtiefe Hass, der alles andere dunkel und leer werden lässt. Ich schäme mich nicht dafür, spreche es offen an und stehe zu diesem Gefühl, denn es ist ein Gefühl und es zeigt mir dass ich lebe.

Leben. Solange wir leben, denken wir nicht über den Tod nach. Er erscheint uns weit weg. So unendlich weit weg. Und doch, er steht hinter uns. Jeden Tag. Jede Stunde. In jeder Sekunde. Wenn er möchte legt er seine Hand auf unsere Schulter und bittet uns zu gehen. Mit ihm. Doch manchmal spielt er ein böses Spiel. Langsam, sehr langsam sagt er uns, dass es Zeit wird. Er bereitet uns einen Weg voller Schmerz, Kummer, Angst und Sorge. Er lähmt uns, schwächt uns, holt uns langsam zu sich auf die andere Seite. Dabei steht er lachend am Rand und nährt uns mit Hoffnung. Manchmal lässt er los. Manchmal nicht.

Dieses Spiel hat viele Namen. Viele Wege. Unendliche Varianten. Eine davon hat er Krebs genannt. Und auch wenn ich den Tod nicht hasse, ihn als ständigen Begleiter akzeptiert habe, der mich mahnt das meine Wege endlich sind, so hasse ich seine Spiele, dieses Spiel. Ich kenne dieses Spiel nicht. Ich habe keine Ahnung. Nicht einmal eine Vorstellung und in meinen Träumen möchte ich mir nicht ausmalen wie es ist, dieses Spiel zu spielen. Und doch? Ich verabscheue es.

Menschen die ich kenne, Menschen die ich liebe, Menschen die mir wichtig sind, ließ er dieses Spiel spielen. Einige konnten gewinnen, andere nicht, aber alle zahlten einen hohen Preis. Das Spiel kostet Nerven. Es schmerzt, lässt Dich verzweifeln und am Abgrund wandeln. Ich habe keine Ahnung. Kann es mir nicht ausmalen. Ich weiß nicht, wie es ist dieses Spiel zu spielen. Hört man aber denen zu, die es schafften den Tod zu überlisten, hört man ihnen aufmerksam zu, bekommt man eine Idee. Doch diese Idee ist nur ein Funken, ein Kratzer an einem Berg.

Oft fordern wir den Tod heraus. Spielen mit dem Feuer. Meist denken wir nicht darüber nach. Und doch, die Warnungen sind überall. Ich habe keine Angst. Ich lasse sie nicht zu. Ich verbanne sie aus meinem Leben. Ob das richtig ist? Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht wissen und ich will es auch nicht.

Der Tod ist mein Freund. Er steht neben mir. Tag ein. Tag aus. Er ist ein sichtbares Zeichen geworden, eine Mahnung an das Leben. Er lässt mich die Dinge intensiver erleben und mich über mich selbst lachen. Ich habe ihn vor Jahren in mein Leben gelassen, ihm einen Stuhl angeboten. Er hört mir zu. Ich höre ihm zu. Er spricht zu mir. Manche denken das wäre verrückt. Andere möchten es nicht hören. Mir ist es egal. Denn der Tod ist mein Freund. Aber ich hasse seine Spiele. Seine verdammten Spiele. Das weiß er. Dessen bin ich mir sicher.


Foto: wayne’s eye view






Ein Kommentar


  1. Christina

    Word.



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