
Wenn meine damalige Deutschlehrerin wüsste, dass ich heute Texte im Internet publiziere, sie würde sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen. Wenn sie denn schon tot wäre. Sie war damals der Meinung ich könne nicht lesen. Diese Meinung hatte sie aufgrund der Tatsache, dass ich ihr nie antworten konnte, wenn sie mir eine Frage stellte deren Antwort in einem der Bücher zu finden war, die wir lesen sollten. Auf den Gedanken dass die Bücher die sie uns gab, kacklangweilig waren ist sie nie gekommen. Schade eigentlich, denn dann hätte sie gewusst, dass ich lesen kann. Hätte sie mich gefragt, was Carries Mutter in der Zeit gemacht hat, als Carrie sich selbst ein Kleid zum Abschlussball nähte – ich hätte es gewusst.
„Frau Lehrerin. Carries Mutter plante zu der Zeit den Mord an ihrer Tochter um sie von Satan rein zu waschen.“
In einer Sache hatte sie damals aber schon recht. Meine Deutschleherin vertrat die Meinung, dass lesen bilden würde. Das stimmt so. Das kann ich unterschreiben. Deshalb lese ich gerne. Und viel. Damit will ich natürlich nicht sagen, dass ich ein gebildeter Mensch bin, aber würde mich jemand fragen, ich würde es nicht verneinen. Sicherlich gibt es Menschen die klüger sind als ich – schließlich besitze ich nicht einmal Abitur – aber es gibt auch genügend Menschen (mit Abitur) die wesentlich dümmer sind als ich. Diese These beruht auf Erfahrungswerten. Ich war mal mit einem Mädchen zusammen, die Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
Auch wenn ich es manchmal bereue, mein Abi nicht gemacht zu haben, denn ich hätte auch gerne studiert (Psychologie, Philosophie, und irgendwas mit Kneipe), muss ich sagen, dass ich auch so gut durchs Leben komme. Beruflich mache ich was mit Marketing, was ich nur schreibe, weil es doch Menschen gibt die sich dafür interessieren. Im Privatleben laufe ich als verheirateter Eigenheimbesitzer mit spießigem Vorgarten durch die dörfliche Weltgeschichte.
Apropos dörflich. Geboren wurde ich, weil es ja auch immer irgendjemanden interessiert, am 16. Mai 1981 in Friesoythe. Sollte jemand nun auf die Idee kommen, mir zu meinem Geburtstag das ein oder andere Präsent zukommen lassen zu wollen – ich bin dem natürlich nicht abgeneigt.
Zum Glück bin ich nicht in Friesoythe aufgewachsen. Jeder der schon einmal dort gewesen ist, wird verstehen was ich meine. Ich hatte das Glück, dass meine Eltern einen kleinen Hof am äußeren Rande des Dorfes Altenoythe besaßen. Dort lernte ich damals noch das Gegenstück zur heutigen Massentierhaltung kennen. Meine Eltern hatten Schweine. 42. Und ein halbes. Letzteres lag meistens in der Truhe rum und kam nur zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel dem täglichen Mittagessen, stückchenweise auf den Tisch. Zu meiner Grundschulzeit gab es auch noch die Hofschlachtung. Das war eine schöne Sache. Wenn mir also das Blut mittags schon auf dem Hof entgegen kam, wusste ich, dass es abends Lendchen in leckerer Pilzsauce gab.
Die Zeiten haben sich geändert. Meine Eltern haben die Schweinezucht aufgegeben, ich wohne nicht mehr auf dem Hof und das letzte Mal floss dort Blut über die Pflastersteine als ich am Gründonnerstag des Jahres 2011 meinen Junggesellenabschied feierte.
Wenn ich jetzt Psychologie studiert hätte, könnte ich diesen Text, der mich und meine Person beschreiben soll, deuten. Ich könnte an dieser Stelle sagen, wer ich bin, was ich mache und wohin mein Weg geht. Glaube ich jedenfalls. Da ich aber nicht studiert habe, wird mir wohl oder übel nichts weiter übrig bleiben, als diesen Text zu akzeptieren, das Leben fließen zu lassen und mit den Reaktionen zu Leben. Sei es drum. Drauf geschissen.

Mein liebstes Zitat
Der vernünftige Mensch passt sich der Welt an.
Der unvernünftige besteht auf dem Versuch, die Welt sich anzupassen.
Deshalb hängt aller Fortschritt vom unvernünftigen Menschen ab.George Bernard Shaw
irisch-britischer Dramatiker, Politiker, Satiriker, Musikkritiker und Pazifist
Ein wunderbarer Ausspruch eines intelligenten Mannes. Hätte von mir kommen können.
Ernsthaft.


