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Literatur

24. Oktober 2010

Der Teufel und der alte Mann (2)

Fortsetzung vom 1. Teil.

„Vater, was ist dran an der Geschichte der Alten. Will sie uns nur Angst einjagen?“

Dein Großvater saß besorgt am Tisch und tief in seinem Inneren, da wusste er die Antwort auf seine Frage selbst. Mit eigenen Augen hatte er die Toten über die Felder laufen sehen. Mit eigenen Augen sah er das weiße Kleid der Frau im dunklen Herbstwind wehen. Ein Schauer lief ihm über den Rücken. Der Alte zog abermals an seiner Pfeife und blies den Rauch vom Jungen fort.
„Mein Junge, was Du gesehen hast, das hast Du gesehen. Was aber auf dem Hof geschehen ist, das vermag ich nicht zu sagen. Schon oft haben die Menschen Seelen an den Teufel verkauft, doch am Ende konnten alle nur verlieren. Ich werde kein falsches Zeugnis gegen meinen Nächsten ablegen, dafür fürchte ich das Fegefeuer zu sehr. Und auch du mein Junge solltest es nicht tun. Vergessen wir, was wir gehört und beten wir stattdessen für die verlorenen Seelen.“

Der Herbst ging und der Winter kam. Schnee bedeckte die weiten Felder und der klare Frost ließ einen lieber am heimischen Herbst sitzen, als draußen sein Tagwerk zu verrichten. Doch nützten diese frommen Wünsche nichts, wenn vor den Türen die Arbeit ruhte. Dein Großvater, er war kein Jüngling mehr und schon seit einigen Zeiten mit mir verheiratet fürchtete sich nicht leicht. Nur die Toten, die keine Ruhe finden konnten, bereitetem ihm Sorge. Und so kam es, dass er immer wieder meinte die Frau in den kalten Feldern zu sehen, wie sie mit ihren Kindern nach dem Einlass zum Himmel Ausschau hielt. Er erzählte keinem Menschen von seinen Sichtungen, aus Furch man könne ihn für verrückt halten. Nur in einsamen, kalten Stunden, wenn wir gemeinsam zu Bett gingen, öffnete er sich und erzählte mir von den Begegnungen.

Irgendwann, es war kurz vor der Weihnachtszeit, dein Großvater holte einige Vorräte aus der Stadt, kam er am Hofe des alten Mannes vorbei. Dieser kam gerade auf den Weg und dein Großvater hielt – sei es aus Höflichkeit oder aus Furcht – inne und begrüßte den alten Mann.

„Sei gegrüßt Alter. Was ist es doch für eine herrlich frische Luft. Habt ihr für das kommende Fest bereits alle Vorkehrungen getroffen?“

Der Alte schaute ihn mit einem Blick an, dessen Finsterkeit dein Großvater noch nie gesehen hatte. Ihm lief es kalt den Rücken runter.

„Was kümmert es dich, du neugieriger Bastard. Warum soll ich feiern. Die Geburt des Herrn? Das ist nur ein Tag wie jeder anderer und bislang hat der Herr mir nichts gebracht. Meine Scheunen sind leer. Mein Vieh hungert. Warum soll ich Gott loben und preisen? Ich habe gerade so viel dass ich über die Runden komme. Möge der nächste Herbst besser werden und meine Kammern füllen. Und nun scher dich weg von hier, sonst könnte dich der Teufel holen.“

Und während der alte Mann hämisch lachte, sah dein Großvater zu, dass er diesen alten Mann und seinen unheimlichen Hof hinter sich ließ.

Es kam das Fest des Herrn. Die Stube war geschmückt und zu Gottes Ehren sollte eine Gans geschlachtet werden. Zum Abend versammelten wir uns alle in der besten Stube. Der Christbaum war herrlich geschmückt, die alte, selbst geschnitzte Krippe stand in der Ecke und der Vater deines Großvaters las, seine Pfeife rauchend, eine alte Weihnachtsgeschichte vor. Danach wurde gegessen. Wir dankten Gott für Speis und Gaben und verbrachten eine friedliche Zeit. Als es Nacht wurde und die Finsternis endgültig über dem Hof einkehr gezogen hatte, brachen wir auf um im Dorf, in der altehrwürdigen Kirche, mit den anderen Leuten die Christmette zu feiern. Wir entzündeten unsere Fackeln – ein alter Brauch zu jener Zeit – und liefen über die Felder zur Kirche. Als wir am Hofe des alten Mannes vorbei kamen hielt dein Großvater inne. Er schaute zum Fenster hinüber, aus dem ein seltsames Licht zu uns herüber schien.

„Sieh nur da, der alte Mann. Er steht dort ganz allein an seinem Tisch. Was er alleine nur so treibt, in dieser friedlichen Nacht.“

Er hatte jene Worte nicht ganz zu Ende gesprochen, erschien auf einmal ein zweiter Mann am Tisch. Die beiden schienen sich – so wie es die Sicht glauben ließ – zu streiten.

„Vater schau, der Alte hat Besuch. Wer mag das sein in dieser Heiligen Nacht. Hat er gar Verwandte, die ihm einem Besuch schenkten?“

„Nein mein Sohn, der alte hat niemanden mehr. Komm, sieh nicht weiter nach. Es geht uns nichts an und unsere Sorge soll es nicht sein.“

Später erzählte mir dein Großvater, dass er in jener Nacht auch die Frau beim Haus gesehen haben will. Von den Kindern erzählte er nichts. Mir schien es, als wären sie seit jener Nacht nicht mehr gesehen worden.






21 Kommentar


  1. Kanpai

    Verstehe ich irgendwie nicht…. Soll das bei euch passiert sein oder wo?


  2. Mach Dich nicht verrückt. Das ist einfach nur eine Geschichte! ;-)


  3. Jess

    Super Story! Gänsehaut


  4. Kanpai

    Ja, schon klar…aber leider eine ohne Sinn und Kern.


  5. @Kanpai: Den ersten Teil gelesen?


  6. Kanpai

    Nein. Natürlich nicht. Zudem habe ich den zweiten Teil rückwärts gelesen, jedes dritte Wort weggelassen und in Gedanken in’s suahelische übersetzt.


  7. Tja, dann kann ich Dir auch nicht helfen. Am besten, Du schreibst eine eigene. Meckern kann jeder, besser machen schaffen nur die wenigsten.


  8. Leserin

    Hallo,

    ich will hier ungern zwischen die Fronten geraten, aber gibt es noch einen dritten Teil, der das alles ein bisschen aufklärt?


  9. Hallo Leserin, es wird einen dritten und letzten Teil geben. Voraussichtlich am Sonntag!


  10. Leserin

    Gut, denn das Ende fand ich etwas seltsam so… Sorry, dass ich das so sagen muss, denn Du hast Dir sicher viel Mühe gegeben. Aber wenn man es im Internet veröffentlicht, muss man natürlich auch mit der Kritik leben. Mir fehlt bisher der rote Faden bzw. die unterschwellige Bedrohung, bisher sind es nur ein paar seltsame Ereignisse aneinander gereiht. Aber vielleicht kommt das ja mit der Auflösung oder einem spannenden Ende im dritten Teil. Bin gespannt! :)


  11. Kanpai

    Nur kompletthalber für diejenigen, die hier mitlesen sollten:
    Ich habe Thorsten eine Mail mit einer gruseligen selbstverständlich selbst verfassten Geschichte geschickt.
    Ergebnis:
    1:0 für Kanpai


  12. Jörg

    Kanpai, wie alt bist du eigentlich? Ich finde das ganz schön peinlich, was du hier abziehst. Meckerst rum, verschickst anscheinend Geschichten und leidest meiner Meinung nach an Selbstüberschätzung. Mir würde es besser gefallen, wenn du dich hier einfach zurück hälst. deine anonyme scheiße kannst du vielleicht in einem Kinderhort abziehen, aber hier ist das fehl am Platze. Meiner Meinung nach steht es 1:0 für Thorsten, alleine schon aus dem Grund, dass er die Eier in der Hose hat, hier seinen Namen zu nennen. Affig.


  13. Kanpai

    @Jörg: Thorsten wird ohne h geschrieben.


  14. Icarus

    @Jörg:
    wie alt bist Du eigentlich?
    Sowohl Deine Rechtschreibung als auch Deine Vulgärsprache entsprechen einem Grundschüler und auch Du solltest Dich etwas zurückhalten.
    Und Du selbst hast auch nicht mehr Eier in der Hose als Kanpai, Leserin oder ich …


  15. Jetzt streitet Euch doch nicht so. ;-) Ist ja albern. Jeder hat seine Meinung und jeder darf sie auch vertreten. Es muss doch keiner beleidigend werden. Jetzt halten wir uns mal alle an den Händen und atmen gemeinsam für den Frieden! ;-)

    Ach ja. @Kanpai Torsten wird ohne h geschrieben. Jedenfalls in meinem Fall. Du hast es auch verkehrt gemacht. Aber schwamm drüber. ;-)


  16. Jonas

    Ich finde die Geschichte soweit ganz nett und passend für eine alte story – viele twists und rote fäden gab es damals noch nicht in erzählungen. das haben erst pro7 und co eingeführt… ;)

    @Torsten:Trotzdem finde ich deine geschriebenen Gedankenspiele toller und für mich leichter nachzuvollziehen. was ist mit der story über freundschaften passiert, die hier nur kurz online war? die fand ich wirklich bemerkenswert.


  17. @Jonas: Die Gedankenspiele werden in nächster Zeit auch wieder mehr. Insgesamt möchte ich mehr schreiben. Derzeit arbeite ich auch einigen Partnerschaften, daher im Moment ein wenig weniger. (Seltsames deutsch, ist aber auch schon spät.)

    Was die Freundschaftsgeschichte betrifft: Meinst Du diese hier: http://pirgofabrik.de/das-zarte-pflaenzchen-freundschaft/ ???


  18. Leserin

    Zitat von Jonas: “Ich finde die Geschichte soweit ganz nett und passend für eine alte story – viele twists und rote fäden gab es damals noch nicht in erzählungen. das haben erst pro7 und co eingeführt…”

    Da fehlen mir die Worte… Pro7 soll rote Fäden eingeführt haben?! Oh mann…. *kopfschüttel* Lies mal ein paar Klassiker, da wirst Du merken, dass die sehr wohl einen Handlungsstrang und trotzdem viele Irrungen beinhalten. Es ist nicht zu fassen! Naja, jedenfalls liest Du Blogs, immerhin…

    Aber in einem Punkt muss ich Dir recht geben: Bisher find ich die Geschichte auch nur “ganz nett”.

    @kanpai: Jetzt bin ich gespannt auf Deine Geschichte! *gg*


  19. Jonas

    Liebe Leserin, danke für Dein Feedback zu meinem comment. Ich gebe zu,dass ich mit dem “Pro7-Statement” etwas polariseren wollte. Mission geglückt! ;) Grundsätzlich ist mir natürlich klar, dass selbst uralte Klassiker aus Griechenland verworrenere Handlungsstränge besitzen als GZSZ… ABER: Was ich eigentlich zum Ausdruck bringen wollte, ist, dass “Geschichten vom Lande” (wie diese) eben oft recht schlicht gehalten waren/ sind. So war es auch möglich, dass diese leicht weitererzählt werden konnten, ohne die Hälfte zu verhaspeln. Bei mir passiert das schon bei nem etwas längerem Witz, den ich nacherzählen will.

    Pro7 & Co schaffen es, die menschliche Dopamindrüse innerhalb von kürzesten Sendungen mit surrealsten Szenarios so zu überstimulieren, dass die Erwartungshaltung an Geschichten bei den Menschen heutzutage einfach zu hoch ist, für eine “nette” kleine Geschichte.

    LG,
    Jonas


  20. Leserin

    Hi Jonas,
    klar, wenn Du es so ausdrückst, hast Du natürlich Recht. Da hast Du mich mit Deinem ersten Beitrag ziemlich in die Irre geführt…
    Noch nen schönen Abend!


  21. Icarus

    Hallo,

    gibt es noch keine Fortsetzung??

    Gruß
    Icarus



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