
sychologen anwesend? Ich hätte da mal eine kleine Frage. Ernsthaft. Ein kleine, wunderbare Frage die auf meiner kleinen, geschundenen Seele liegt. Nun, am besten wäre es, ich täte sie stellen, bevor sie wieder in den dunklen, undurchschaubaren Synapsen meines bemerkenswerten Gehirns verschwindet. Also gut. Los geht es: Sehr geehrte Herren, oder Damen, je nachdem, Psychologen. Woran liegt es, dass mit dem Beginn der Finsternis meine Kreativität steigt, ebenfalls mein Wohlbefinden und meine Glücksgefühle, diese aber nach der Nacht, unmittelbar nach dem Aufstehen, wieder verschwunden sind? Diese Frage brennt in mir seit geraumer Zeit, und doch kann ich keine Antwort finden.
Ich las in der Vergangenheit zahlreiche Bücher, das Thema Glück betreffend, stieß aber auf keinen geeigneten Lösungsansatz. Auch die Religionen dieser Welt konnten mir auf diese Frage keine Antwort bieten. Zu nächtlicher Stunde versuchte ich meinen Geist durch die Einnahme diverserer Alkoholika zu erweitern, aber auch hier fand ich, bis auf Kopfschmerzen am nächsten Morgen, nichts. Woran liegt es also, dass ich, je näher ich der Stunde null komme, glücklicher werde?
Dank einem guten Buchhändler habe ich das große Buch der Psychologie zur Hand. Ein schwerer Klops in blauem Umschlag. Ich informierte mich in diesem über den Bauplan des Nervensystems, die subkortikale Organisation und die menschliche Hirnrinde. Die Psychophysik und das Messen von Erlebnissen sind mir, dank dieser Lektüre nicht mehr fremd und in der Neurophysiologie des visuellen Systems macht mir niemand etwas vor. Doch mich befriedigende Antworten fand ich nicht.
Man riet mir dazu, Antworten mit Hilfe von Hypnose zu finden, doch davon halte ich nicht viel. Vielleicht ist das intolerant, der Technik gegenüber, aber das macht mir nichts. Andere sagten, ich solle es einfach hinnehmen, es akzeptieren wie es ist, aber auch mit dieser Idee bin ich nicht zufrieden. Mir geht es wie dem kleinen Prinzen, der einmal eine Frage gestellt, nicht eher Ruhe gibt, ehe er die Antwort erfahren durfte. Warum also macht die Nacht mich glücklich?
Ich habe eine Vermutung, die vage ist, mit der ich komplett danebenliegen kann. Es ist die Freiheit, die mir die Nacht bringt. Die Stille, das Fehlen von Stress und Hektik. Es ist die Einsamkeit, die mir Glück beschert, obwohl ich des Nachts natürlich nicht einsam bin, irgendwer ist immer hier. Es ist die Ungezwungenheit, mit der ich mich durch die Finsternis bewegen kann, denn Stilbrüche erkennt in der Dunkelheit niemand. Wie heißt es so schön? In der Nacht sind alle Katzen grau. Es ist das Fehlen von Zeit, denn zu jener Zeit kenne ich die Zeit nicht. Ich befinde mich einfach im Hier und Jetzt. Ich schreibe, denke, lache, lese. Freue mich über dieses und jenes und werde müde.
Anders hingegen ist es, wenn der Tag beginnt. Der Wecker klingelt und zwingt mich zum Aufstehen. Der Magen ruft, der Hund möchte sich lösen und auch die eigene Blase verlangt nach Aufmerksamkeit. In den Wintermonaten möchte der Kamin befeuert werden, wenn es schlecht läuft, der Bürgersteig gestreut. Die Uhr ermahnt mich voran zu kommen, das Haus zu verlassen. Der Anzug muss sitzen, dass Haar liegen. Das Telefon klingelt, Emails kommen an, Rechnungen möchten kontrolliert werden, Bestellungen getätigt. Hier hat jemand ein Problem, da jemand eine Frage, Mittagszeit. Nach Hause fahren, Essen, Hund streicheln, Holz nachlegen. Ich freue mich darüber, den Hund zu streicheln. Die Uhr. 14:00 Uhr. Ankunft im Büro. Wieder klingelt das Telefon. Ein Termin steht an, ein zweiter möchte gemacht werden. Frau Schmidt hat wieder einmal ein Problem, Herr Müller braucht eine Idee. Zwischendurch Facebook, ein dummer Spruch in Richtung des Auszubildenden. Jeder braucht so seine Brücken. Es ist was dazwischen gekommen. Noch mal los. Der Feierabend verabschiedet sich, kommt eine halbe Stunde später. Nach Hause fahren, mit den Hund raus – was Entspannung ist – das Telefon klingelt. Gespräche. Abendbrot. Langsam kehrt Ruhe ein, es wird dunkel.
Es ist eine Vermutung, der Hauch einer Idee. Ein Ansatz für eine Lösung, ein Gedankenspiel. Nichts muss richtig sein, alles kann falsch sein. Wie gesagt, ich habe gesucht, mich mit psychologischen Dingen befasst, keine befriedigende Antwort gefunden. Sehr geehrte Damen und Herren, so ist es richtig herum, sagt die Norm, scheiß auf Gleichberechtigung, Psychologen, Hobbypsychologen, alle die sich angesprochen fühlen. Haben Sie einen Antwort auf meine Frage?
Anmerkung
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!



Du hast dir die Antwort selbst gegeben: >>Es ist die Freiheit, die mir die Nacht bringt. Die Stille, das Fehlen von Stress und Hektik. Es ist die Einsamkeit, die mir Glück beschert ..<<
Dazu kann noch kommen, dass dir die Nacht von Natur aus zusagt. Erfreue dich weiterhin daran!