
Sex. Geld. Gefährliche Geschichten. Intrigen. Streit. Hass. Ein kleiner Funken Liebe. Und immer wieder Sex. Themen die jeden interessieren, über die jeder spricht und zu denen jeder etwas sagen kann. Die Hauptpersonen stammen aus den eigenen Reihen. Vielleicht sogar aus dem Freundeskreis. Und meistens kommen diese Sachen auf den Tisch, wenn eben jene Protagonisten, die in eben jene Angelegenheiten verwickelt sind, weit und breit nicht zu sehen sind. Dann ist es einfacher, denn jeder hat irgendwas gehört und ganz bestimmt ist es wahr – so was erzählt sich nicht einfach so.
Ich habe vor einigen Jahren begonnen in einer Neubausiedlung ein Haus zu bauen. Mittlerweile könnte ich drei oder vier Kinder haben, von unterschiedlichen Frauen selbstverständlich und ganz sicher heirate ich kirchlich am Tag vor dem traditionellen Schützenfest in unserer Dorfkirche.
Ein Freund von mir hat angeblich etwas mit einer verheirateten Frau gehabt, ein anderer hat seine Freundin über mehrere Jahre betrogen und ein dritter soll angeblich bei einer Satanistenfeier in irgendeinem Wald dabei gewesen sein.
Alles Quatsch und alles Geschichten die freudig bei irgendwelchen Feierlichkeiten im Alkoholfluss die Runde machen. Für die Wahrheit interessiert sich niemand. Die ist langweilig. Und letzten Endes ist es auch viel einfacher, das was einem zugetragen wird, dumm weiter zu erzählen, anstatt sich selbst die Mühe zu machen und Hintergründe und Fakten zu erfragen. Bei demjenigen den es betrifft.
Über viele Gerüchte, mich betreffend, kann ich herzlich lachen. An den Haaren herbeigezogene Scheiße, erzählt von dummen Leuten die den Dreck vor der eigenen Haustür nicht sehen können. Oder wollen. Je nach dem. Über andere Gerüchte kann ich mich aufregen, gerade dann, wenn sie von vermeintlichen Freunden erzählt werden, ohne dass diese vorab mit mir Rücksprache hielten. Aber auch hier ist es einfacher einfach drauf los zu labbern, bevor man noch auf seinen eigenen Mist angesprochen wird.
Ich kann meine Hände nicht in Unschuld waschen. Selbst ich habe schon Scheiße erzählt ohne vorher zu fragen ob an den Gerüchten etwas dran ist. Ich habe mich mit gefährlichem Halbwissen profiliert und versuchte damit eventuell einen Blumentopf zu gewinnen. Aber wenn man selbst mal ordentlich durch die Gerüchteküche gezogen wurde und man an eigenem Leib erfahren hat, wie scheiße man in den Augen der Leute sein kann, beginnt man nachzudenken. Über dieses. Über jenes. Und man ändert seine Einstellung zu den Dingen. Man kann natürlich auch anfangen selbst Feuer zu legen, aber oft verbrennt man sich dann nur die eigenen Finger, was unschön ist.
Das ich das getan habe tut mir leid, denn es hat mir sicherlich mehr geschadet als es die Gerüchte über mich getan haben. Ich kann es aber nicht ändern, sondern nur versuchen mich zu bessern.
Neulich wurde mir ein Gerücht über den Vater eines bekannten zugetragen. Eine Lappalie. Eine Geschichte die ich eigentlich unter Nichtigkeiten ablegen würde. Trotzdem ging ich direkt zum Vater meines Bekannten und erzählt ihm, was über ihn im Umlauf ist. Sichtlich geschockt – obwohl es nicht weiter tragisch war – setzte er sich, denn er konnte es nicht glauben, was da im Dorf über ihn erzählt wurde, meinte er doch immer ein angesehenes Mitglied der Gemeinde zu sein. Es ging ihm sehr nahe, er war verletzt und traurig. Aber er dankte mir, dass ich ihn gefragt hätte, was an diesen Geschichten dran sei.
Menschen sprechen über Menschen anstatt mit Menschen zu sprechen. Es ist einfacher. Spannender. Interessanter. Die Wahrheit zu erfahren, die Wahrheit zu erzählen und nicht einfach alles zu glauben, was einem aufgetischt wird ist anscheinend uncool. Erst dann, wenn man selbst „Opfer“ des Gesprächskreises wird finden wir es kacke. Fakt ist aber, dass wir nur daraus lernen können. Ich kann nicht sagen, dass ich nicht wieder über andere spreche ohne entsprechendes Wissen zu haben. Aber ich will versuchen die betreffenden Personen zu fragen, wenn mir etwas erzählt wird und sollte ich diese nicht kennen, sollte mir die Laberei der dummen Säcke einfach am Arsch vorbei gehen.
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Foto: Sascha Rutzen / www.jugendfotos.de



Also gerade in so einer kleinen Gemeinde (im Dorf) finde ich es schlimm was da alles rumerzählt wird..
Habe das auch schon oft mit erlebt aber bei soeinem Unsinn halte ich mich grundsätzlich raus und sowieso ist mir relativ egal was diese ach so tolle Gemeinde über mich erzählt xD… Wenn man ehrlich ist will ich zu soeiner geschlossenden Gemeinde garnicht gehören. Ich bin damit durch aber, wenn jemand ein/- zweimal nicht zum Fußballtraining geht ist gleich irgendwas schlimmes passier…kennt man doch xD…dabei hat man einfach kein bock, aber nunja. Einfach schön raushalten und direkt mit der Person Rücksprache halten ist immer das beste, hast schon recht.
Netter Beitrag und so Wahr
Grüße, Mathias